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Thrashmetal
aus dem Tal der Verdammnis
Wühlt man sich
durch den Underground, so fühlt man sich des öfteren wie ein
Maulwurf. Was gute Produktionen, schlüssige Songs und professionelles
Auftreten angeht, tappt man meist im Dunkeln angesichts der Masse an ersten
Gehversuchen. Doch manchmal wird es taghell, und man stößt
auf einen regelrechten Edelstein, der die vermeintliche Drecksarbeit ;-)
mit einem rundum gelungenen musikalischen Freudenfest lohnenswert erscheinen
lässt. STRINGFACE sind einer dieser Edelsteine, ihre aktuelle CD
"Soultrash" konnte voll und ganz überzeugen, so dass klar
war, dass vampster einige Fragen in Richtung Bandlager entsenden musste.
Mir ist Dischingen nun
bislang nicht gerade als Hort der heiligen Groovequelle aufgefallen, wie
kam es, dass sich STRINGFACE zusammengefunden haben und was waren für
euch die Auslöser, euch stilistisch in Richtung grooviger Thrash
zu betätigen?
Ralf und Ronny, unser ehemaliger Gitarrist, hatten schon ´ne
Zeit lang STRINGFACE am laufen, damals waren sie zu dritt, ohne Bassisten.
Als dann der Drummer ausgestiegen war, fragte Ralf bei Markus nach, ob
er sich vorstellen könnte, bei STRINGFACE einzusteigen. Nach einigen
Proben zu dritt sagte Markus dann, er kenne da ´nen Bassisten, der
zur Zeit in keiner Band tätig sei, und schon war der Lutz mit dabei.
Die Frage, warum wir ausgerechnet in Dischingen rumlärmen, ist schnell
beantwortet. Ralf hat sich dort häuslich niedergelassen und gleich
einen Probe- und Aufnahmeraum mit dazugehörigem Regieraum unter seiner
Doppelgarage eingerichtet. Schon von Beginn an wollten wir die Band in
Richtung Thrashmetal lenken, da uns dieser Musikstil persönlich einfach
gut gefällt. Da wir alle vor STRINGFACE schon in diversen anderen
Bands gespielt hatten, wollten wir einfach mal was ausprobieren, das wir
bis dato noch nicht gemacht hatten.
Was kann einen in Dischingen
so anpissen, dass man derart viel Aggression in die eigene Musik einfließen
lässt wie bei euch geschehen?
Dischingen ist quasi das "Tal der Verdammnis"! Habt ihr schon
mal was vom sagenumwobenen "Egau-Delta" gehört?
Nun, wenn ihr so weiter
macht, wird das vielleicht mal den gleichen Beiklang wie Bay Area heute
haben, hehe. Unser Psycho war vom gleichnamigen "Soultrash"-Vorgänger
allerdings noch nicht besonders angetan. Ich selbst konnte "Psycho"
noch nicht hören, wie beurteilt ihr selbst die CD und die Fortschritt,
die ihr seither gemacht habt?
Nun ja, bei vielen der Songs stand bereits eine Art Grundgerüst,
als Markus und Lutz zur Band stießen, von daher war die Marschrichtung
dann schon zum Großteil vorgegeben. Andere Songs von "Psycho"
waren schon komplett fertig und wurden nur noch minimal verändert.
Wir sind der Meinung, dass man den Schritt von "Psycho" zu "Soultrash"
schon als kleine Evolution bezeichnen kann.
"Soultrash"
ist nun mörderstark ausgefallen, wo habt ihr das Selbstvertrauen
hergenommen, auch so unkonventionelle Arrangements wie beim Opener "Right
or Wrong" oder mit "Depression" eine Halbballade auf´s
Album zu bringen?
Wir wollten nicht auf Teufel komm raus solche Arrangements wie beim
angesprochenen "Right or Wrong" verwenden. Die Songs sind einfach
aus dem Bauch heraus so entstanden, natürlich wurde da noch an diesem
und jenem Teil rumgefeilt, aber die Grundidee, in welche Richtung sich
die Songs bewegen sollten, war eigentlich von vornherein klar. Das Ganze
hat sich einfach so ergeben.
Beim Eröffnungsriff
von "Right or Wrong" drängt sich mir allerdings auch die
Frage auf, wie oft ihr "Edgecrusher" von FEAR FACTORY gehört
habt, bevor ihr den Song geschrieben habt, hehe...
Nein, nein, FEAR FACTORY war da nicht im Spiel, obwohl wir die Band
natürlich klasse finden. Das war eher eine visuelle Inspiration:
Auf MTV hat Ralf mal ein Video von KORN gesehen und war von dem Basser
hin und weg. Die Art, wie er seinen Bass hielt, und überhaupt seine
ganze Körperhaltung brachten Ralf auf die Idee zu diesem Song bzw.
Groove.
Mit Achim Köhler
hat kein Unbekannter eure Platte gemastert. Wie kam es dazu, dass er euch
unter die Arme griff? Wie groß ist sein Anteil am für eine
Eigenproduktion hervorragenden Sound?
Wir sind durch BRAINSTORM, die gute Bekannte von uns sind, auf Achim
aufmerksam geworden. Ralf hat immer wieder kleinere Produktionen, die
er meistens bei Achim endmastern lässt. Ralf hat ja auch ´ne
Menge Zeit in den Mix von "Soultrash" investiert, daher kommt
auch das gute Endergebnis. Der Mix sollte schon von vornherein stimmen,
bevor man "Tonmeister" Köhler besucht.
Weniger hervorragend finde
ich die optische Gestaltung des Covers, des Logos, der Bandpics sowie
auch eurer Homepage, wenn ich ehrlich sein soll. Was soll das Cover darstellen?
Im Vergleich zu dem Barracuda auf "Psycho" ist es ziemlich unauffällig...
Das Cover ist bewusst unauffällig. Das hängt mit dem Titel
zusammen, der ja übersetzt "Seelenmüll" heißt.
Menschen, die solchen Seelenmüll in sich tragen, scheinen für
andere eher ruhig und unauffällig zu sein; innerlich brodelt es jedoch
in ihnen. Sie scheinen auch nicht zu wissen, was sie eigentlich darstellen
(sollen).
Habt ihr schon mal überlegt,
die grafischen Arbeiten in fremde Hände zu geben?
Wir hatten wegen dem Cover zu "Soultrash" schon Kontakt
zu Travis Smith aufgenommen, der sich als supernetter Mensch herausgestellt
hat. Leider waren die Entwürfe von ihm, die zu unserer CD gepasst
hätten, nicht mehr verfügbar, aber vielleicht klappt es ja in
Zukunft mit einer Zusammenarbeit. Letztendlich blieb uns also nichts anderes
übrig, als die Sache selbst in die Hand zu nehmen.
Achtung Standardfrage:
Worum geht es in den Texten auf dem Album?
Achtung, jetzt kommen ein paar Textauszüge: "Links oder
rechts, ach häng ihn auf, ist sowieso Krieg, oder soll ich´s
doch nochmal versuchen?" - "Nein, du hast mich schon wieder
angelogen, finde deinen Platz auf dieser Erde, mach es bald, bevor es
zu spät ist" - "Geh nicht auf die Straße, es könnte
was passieren" - "Stille, Schmerzen..."
Wie kommt Ralf mit der
Doppelbelastung Gesang/Gitarre zurecht?
Eigentlich recht gut, er wahr ja schon immer für die Vocals und
die Gitarren bei STRINGFACE zuständig. Die Backingvocals und den
zweistimmigen Gesang bei manchen Passagen teilen sich unser neuer Gitarrist
Frank und Bassist Markus untereinander auf. Somit ist Ralf ja nicht gänzlich
auf sich alleine gestellt. Als Ronny die Band verließ, war Ralf
für kurze Zeit sogar allein für die Gitarrenarbeit verantwortlich.
Wie schreibt er seine
Gesangslinien? Ich stelle mir das als Gitarrist sehr schwer vor, von den
Riffs derart abweichende Gesangsmelodien zu entwerfen...
Sicher ist es nicht immer leicht,
unabhängig voneinander Gitarre zu spielen und zu singen. Mit der
Zeit ist Ralf aber ziemlich gut in die Sache reingewachsen. Seiner Meinung
nach sollte schon etwas mehr kommen als nur stupides "two notes"-Geschrei.
Nun wird er ja wieder mit einem zweiten Gitarrero entlastet... Es war
mit Ronny ja ursprünglich ein zweiter Gitarrist in der Band, leider
hat uns dieser während der Aufnahmen zu "Soultrash" verlassen.
Für die Livegigs haben wir dann Robert Balci angeheuert, der ein
guter Freund von uns ist. Er hat u.a. schon bei STORMWITCH und DEATH IN
ACTION gespielt. Mittlerweile haben wir aber einen mehr als fähigen
Ersatz für Ronny gefunden, der gute Mann heißt Frank Stöckelmaier
und hat ´ne Menge auf dem Kasten.
Beschreibt doch mal, wie
eure allererste Probe ablief und wie ihr dazu im Vergleich heute zu Werke
geht...
Die allererste Probe, das ist aber ´ne Weile her. Schwer zu
beantworten, war schon ziemlich chaotisch, soweit wir uns erinnern...Mittlerweile
kennen wir uns ja schon sieben Jahre und sind daher stark zusammengewachsen,
wobei sich das nicht nur auf die Band, sondern auch auf die Freundschaft
untereinander bezieht. Wenn wir Proben ist es im Regelfall so, dass wir
zuerst an neuen Songideen herumbasteln und nach ´ner kurzen Pause
dann die Songs der CDs proben.
Was hat sich alles seit
der Veröffentlichung von "Soultrash" bei euch getan? Habt
ihr euch auch bei Labels mit der CD beworben?
"Soultrash" ist bis jetzt eigentlich ziemlich gut angekommen,
zunächst haben wir die CD in unserem Freundes- und Bekanntenkreis
verteilt und diverse Exemplare bei unseren Gigs verkauft. Wir haben uns
bei Nuclear Blast, Metal Blade und zwei, drei kleineren Labels beworben,
leider passen wir dort wohl nicht so recht ins Programm, Schade...
Wo liegen eure Ziele mit
der Band? Wie hoch wollt ihr hinaus? Reicht euch ein Kasten Bier als Gage
oder wollt ihr eines Tages die großen Bühnen dieser Welt rocken?
Klar wäre es schön, über die Grenzen der Region hinaus
bekannt zu werden. Wir haben aber festgestellt, dass es ziemlich schwierig
ist, an überregionale Gigs heranzukommen. Eine Bookingagentur wäre
hierbei vielleicht hilfreich. Klar spielen auch mal für ´ne
Kiste Bier im Juze, doch ein wenig mehr "Rummel" um die Band
wäre nicht schlecht. Vielleicht klappt´s ja mal, als Supportband
eine Tour zu absolvieren, quasi für ´ne Kiste Bier auf einer
großen Bühne spielen, hehehe.
Womit hat denn der Star
Wars-Roboterling R2D2 seine Special Thanks verdient, hehe?
Unser Drummer Markus ist Star Wars-Fan und findet insbesondere den
kleinen R2D2 ziemlich kultig. Will heißen, man muss nicht "groß"
sein, um "groß" rauszukommen.
Gott und Jesus tauchen
dort ebenfalls auf...spielt Glaube eine Rolle bei STRINGFACE?
Sorry, das ist wohl ein kleines Missverständnis. Der Glaube spielt
bei keinem unserer Bandmitglieder eine große Rolle. Lutz hat einen
Bekannten, der den Spitznamen Jesus trägt, sick, oder...? Ralf meint
damit wohl eher "God, my Guitar".
Mit Heavy Metal-Klischees
wollt ihr nix am Hut haben laut Info. Können Klischees manchmal nicht
auch geil sein? Und mal ehrlich ;-) : Eine Kutte habt ihr doch auch besessen
und habt mit Nietenarmbändern auf Konzerten rumgemosht, oder?
Ja klar, jeder von uns hat mal eine Kutte besessen, mit der man auf
Konzerte gegangen ist. Es ist ja nicht so, dass wir uns nicht zu unseren
Wurzeln und der Musik, die wir über lange Zeit gehört haben
und zum Teil immer noch hören, bekennen. Der Satz mit den Heavy Metal-Klischees
bezieht sich eher auf unsere Texte, die mit den oft zitierten "Drachentöter
und Schwertkämpfer"-Lyrics nix am Hut haben. Allerdings tragen
wir auf der Bühne trotzdem keine Nietengürtel oder ähnliches.
Was stört euch, was
gefällt euch besonders an der Metalszene, wie sie sich in den letzten
Jahren entwickelt hat?
Das Konkurrenzdenken, das leider
schon zu oft auch bei kleineren Bands anzutreffen ist, der Underground
sollte viel mehr zusammenhalten. Die Intoleranz, die diverse Fans unterschiedlicher
Metal Richtungen an den Tag legen. Es sollte einfach ein friedliches Nebeneinander
der unterschiedlichen Metalstile geben. Wir sollten uns als eine große
Familie betrachten, deren Anhänger eben anders sind als der Otto
Normalverbraucher. Wie sagte doch Chuck Schuldiner so treffend: "Let
the metal flow".
Wo seht ihr STRINGFACE
in fünf Jahren?
Wir wollen auf jeden Fall noch
die ein oder andere CD veröffentlichen und versuchen, so oft als
möglich live in Erscheinung zu treten. Sehr schwere Frage... ;-))
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